Oberliga Westfalen, 8. Spieltag im Rückblick

Siegesserie von Gütersloh, Holzwickede und Sprockhövel hält - auch Rhynern noch ungeschlagen - Siegen gewinnt Derby

12.10.2020

Text: Hamms Andrei Lorengel im Zweikampf mit Lars Beuckmann und Björn Schlottke. Die 2:1-Überzahl stand am Ende auch auf der Anzeigentafel.
Quelle: Philipp Retajski

TuS Haltern - Westfalia Rhynern 0:5 (0:3)
Tore: 0:1 J. Kleine (13.), 0:2, 0:3 Seber (23./33.), 0:4 J. Kleine (48.), 0:5 Müsse (88.)
Bes. Vorkommnis: Hahnemann (Rhynern) hält Foulelfmeter von Pulver (72.)
Zuschauer: 149

Rhynern mausert sich zum Spitzenteam und hält Kontakt zum Führungstrio. Der beste Oberliga-Saisonstart in der Vereinsgeschichte wurde am gestrigen Nachmittag in beeindruckender Manier ausgebaut. Jan Kleine eröffnete nach Vorarbeit von Akhim Seber den Torreigen früh. Seber selbst erlief daraufhin einen langen Pass, umkurvte Halterns Keeper Umbeyd Güzel und markierte cool das 2:0. Seine Galavorstellung krönte er mit der Vorentscheidung noch vor Pause, als Haltern den Ball nicht zu klären wusste und er am schnellsten schaltete und einnetzte. Als Jan Kleine direkt nach Wiederanpfiff nach Hakan Sezers Pass von der Grundlinie das vierte Tor des Tages erzielte, nahm Rhynern das Tempo aus dem Spiel und ließ auch die Gastgeber zu Offensivaktionen kommen. Rhynerns Torwart parierte noch stark einen Foulelfmeter von Nico Pulver, bevor die eingewechselten Robin Ploczicki und Leon Müsse den Schlusspunkt setzten. Letztgenannter drückte eine Hereingabe über die Linie. "Aufgrund unserer Leistungen stehen wir zurecht so weit oben", war Coach Michael Kaminski hocherfreut über die bärenstarken Leistung.

Sportfreunde Siegen - 1.FC Kaan-Marienborn 2:0 (1:0)
Tore: 1:0 Harrer (3., FE), 2:0 Huber (90.)
Zuschauer: 1000

Auch Spiel 2 seit der öffentlich gewordenen Fusionsgedanken entschieden die Sportfreunde ohne Gegentor für sich. Und dies auch noch gegen den möglichen Fusionspartner aus Kaan-Marienborn, der sich kurz nach Anpfiff bereits einen großen Fauxpas leistete. Im mit 1000 Zuschauern ausverkauften Leimbachstadion hatte Jannik Schneider am eigenen Strafraum leichtsinnig den Ball vertändelt, so dass Jannik Krämer in die Box eindrang und von Tobias Hombach gefoult wurde. Michél Harrer verlud beim Strafstoß Kaans-Keeper Julian Bibleka sicher. Die Gäste kamen erst nach etwa einer halben Stunde in die Partie und drängten insbesondere nach der Pause auf den Ausgleich gegen kaum noch für Entlastung sorgende Siegener, die jedoch Pech hatten, als Schiedsrichter Jonathan Lautz übersah, dass Jannes Hoffmann Siegens aufgerückten Innenverteidiger Till Hilchenbach abseits des Balls klar zu Boden schubste und es daher dieses Mal keinen Strafstoß gab. Die Partie blieb spannend, Kaan erhöhte das Risiko und kassierte in der Schlussminute das zweite Gegentor. Justin Huber setzte sich im Zweikampf stark durch und durfte nach seinem zunächst abgewehrten Querpass in Richtung von Leon Kunz noch einmal ran. Diesmal zog er energisch ab und das Leder zappelte in den Maschen. Coach Tobias Cramer strahlte: "Es ist immer schön, so ein Derby zu gewinnen, aber zweistellig zu sein, was die Punkte angeht, ist viel wichtiger. Jetzt haben wir ein bisschen Luft und fahren mit weniger Druck nach Gütersloh. Wir haben gegen zwei echte Spitzenmannschaften gespielt. Wenn man dann jeweils zu Null spielt, dann spricht das für uns. Ich muss die Mentalität der Jungs noch einmal loben, wir haben viel gearbeitet und kriegen das jetzt zurück."

Hammer SpVg - FC Gütersloh 1:2 (0:2)
Tore: 0:1 Illig (27.), 0:2 Nemtsis (28.), 1:2 Lorengel (76.)
Zuschauer: 150

Gütersloh eilt von Sieg zu Sieg, auch wenn es am Ende gegen das punktlose Schlusslicht Hamm schwerer als erwartet war. Die spielbestimmenden Gäste trafen per Doppelschlag Mitte der ersten Halbzeit. Zunächst tauchte Ilias Illig aus halblinker Position blank vor HSV-Keeper Kevin Scierski auf, direkt nach Wiederanpfiff brachte HSV-Verteidiger Philipp Grodowski seinen jungen Keeper in Bedrängnis, so dass die Kugel vor die Füße von Dimitrios Nemtsis landete, der diese mit einem Heber über den zurückhetzenden Keeper ins Tor verfrachtete. Der Spitzenreiter verpasste mehrfach, die Partie zu entscheiden und hatte Glück, dass der Anschlusstreffer der in der zweiten Halbzeit besser agierenden Hausherren erst 14 Minuten vor dem Ende fiel. Andrei Lorengel traf ins lange Eck. Die Gäste wurden nervös und hätten beinahe noch den Ausgleich kassiert. Am Ende blieb es jedoch doch beim verdienten Auswärtssieg.

SV Schermbeck - SG Finnentrop/Bamenohl 1:1 (1:1)
Tore: 1:0 Smykacz (26.), 1:1 Dogrusöz (44.)
Gelb-Rote Karte: Lang (Finnentrop, 69.)
Bes. Vorkommnis: Klose (Finnentrop) hält Foulelfmeter von Ferati (70.)
Zuschauer: 200

Schermbeck bleibt neben Herne und Hamm sieglos. Das Führungstor durch Michael Smykacz nach Flanke von Malte Grumann glichen die Gäste eine Minute vor der Pause aus, als Hasan Dogrusöz über die rechte Seite in den Strafraum zog und den Ball ins Tor spitzelte. SVS-Trainer Sleiman Salha trauerte der Siegchance vom Punkt nach, die der gerade eingewechselte Fatmir Ferati 20 Minuten vor dem Ende vergeben hatte, nachdem Steve Lang Stürmer Bernard Gllogjani im Strafraum von den Beinen geholt hatte. Für SG-Trainer Ralf Behle eine nicht nachvollziehbare Entscheidung: „Der Linienrichter hätte hier signalisieren müssen, dass dies kein Foul war. Der Schiedsrichter hatte für mich keine klare Sicht. Der Stürmer macht das aber natürlich in der Situation sehr clever." Lang sah zudem die Gelb-Rote Karte, doch auch die Überzahl wusste der SVS in einem chancenarmen Spiel nicht mehr zu nutzen.

ASC 09 Dortmund - SG Wattenscheid 09 3:2 (2:0)
Tore: 1:0 Podehl (9.), 2:0 Brümmer (14.), 2:1 Kleine (59.), 3:1 Schaffer (86.), 3:2 Jakubowski (88.)
Zuschauer: 300

Nachlässigkeiten im Wattenscheider Abwehrverhalten brachten die Gastgeber schon früh auf die Siegerstraße. Maximilian Podehl und Kevin Brümmer trafen für den ASC. Der zur Halbzeit eingewechselte 36-jährige Routinier Sebastian Kleine verkürzte und setzte auf dem schwer zu bespielenden Naturrasen die entscheidenden Impulse, dass die Gäste dem Ausgleich immer näher kamen. Doch dann schlug der ASC kurz vor dem Ende durch Daniel Schaffer eiskalt zu. Der prompte Anschlusstreffer von SGW-Kapitän Norman Jakubowski blieb Ergebniskosmetik. Wattenscheids Coach Christian Britscho ärgerte sich über die Aussetzer zu Spielbeginn, stellte seiner Mannschaft aber kein allzu schlechtes Zeugnis aus: "Härte, Tempo und Einstellung waren Oberliga-reif." Für die Dortmunder war es ein wichtiger Heimsieg, um sich von den Abstiegsplätzen zu distanzieren.

FC Eintracht Rheine - Westfalia Herne 4:0 (3:0)
Tore: 1:0 Scherping (18.), 2:0 Meyer (25.), 3:0 Ehler (40.), 4:0 Meyer (47.)
Zuschauer: 300

Nach abgelaufener Rot-Sperre stand bei Herne wieder Keeper Jan Fauseweh zwischen den Pfosten, der schon in der ersten Halbzeit drei Male hinter sich greifen musste. Zunächst war Timo Scherping nach einer Ecke zur Stelle, Luca Meyer legte per Kopf - erneut nach einem Eckball - nach, und dann traf Luca Ehler sehenswert in den Winkel. „Wir haben heute alles vermissen lassen, was man vermissen lassen kann", resümierte Herne-Coach Christian Knappmann, der direkt nach Wiederanpfiff Gegentor Nr. 4 durch Luca Meyer schlucken musste. Dabei blieb es. Mit lediglich vier eigenen Treffern stellt die Westfalia den ungefährlichsten Angriff der Liga. Rheine schob sich durch den Sieg aus der Gefahrenzone.

RSV Meinerzhagen - Holzwickeder SC 2:3 (0:2)
Tore: 0:1, 0:2 Schultze (28./32.), 1:2 Berlinski (50.), 2:2 Elmouden (87.), 2:3 Berghorst (90+3.)
Rote Karte: Demir (Trainer RSV, nach Schlusspfiff)
Zuschauer: 250

Der große Favorit RSV Meinerzhagen läuft der Musik hinterher und muss aufpassen, nicht zu sehr den Anschluss zu verlieren. Die laufstarken und früh störenden Holzwickeder schwimmen aktuell auf einer Erfolgswelle und nutzen ihre Chancen konsequent. Nach einer Ecke netzte Robin Schultze, der seinem Gegespieler Ansgar Pflüger entwischt war, ein. Das zweite Tor legten die RSVer Can Sakar und Keeper Johannes Focher ihm quasi auf, aus dem Gewühl im Strafraum heraus schoss er ein. "In der ersten Halbzeit hatten wir die falsche taktische Ausrichtung. Deshalb nehme ich diese Niederlage auch auf meine Kappe", sagte RSV-Coach Mutlu Demir, dessen Neuausrichtung nach der Pause auch tatsächlich funktionierte. Nach Vorlage des eingewechselten Ewald Platt gelang Ron Berlinski direkt der Anschlusstreffer. Der Sturmlauf war eröffnet, der erst zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit belohnt wurde. Adil Elmouedens langes Bein verwertete den Pass von Nik Kunkel. Die Nachspielzeit lief und der RSV ging bei einer Ecke aufs Ganze. Gäste-Keeper Kevin Beinsen fing diese ab und brachte den Ball sofort wieder ins Spiel. Der zuvor an der Mittellinie lauernde Stürmer Nico Berghorst war frei durch und hatte keine Probleme, RSV-Keeper Johannes Focher zu umspielen. Dass Raphael Gräßer nach dem Eckstoß im Holzwickeder Strafraum liegengeblieben war und Schiedsrichter Tim Zahnhausen die Partie nicht unterbrach, erhitzte die Gemüter nach Schlusspfiff noch sehr. RSV-Coach Mutlu Demir sah die Rote Karte, weil er "Du hast so schlecht gepfiffen" gesagt haben soll lt. Lokalpresse.

TuS Erndtebrück - TSG Sprockhövel 1:4 (1:3)
Tore: 0:1, 0:2 Bulut (15./27.), 0:3 Niemiec (39.), 1:3 Dodic (45.+1), 1:4 Niemiec (90.+1)
Zuschauer: 100

Wie in Gütersloh, Holzwickede und Rhynern gibt es bei der TSG bisher nur Superlative. „Das ist überragend, auch die Art und Weise, wie die Jungs Fußball spielen ist beeindruckend", freute sich Coach Andrius Balaika über den sechsten Sieg im sechsten Spiel. Kapitän Ibrahim Bulut stellte in der ersten halben Stunde auf 2:0, einmal per Kopfball im Fünf-Meter-Raum, nachdem sich Nazzareno Ciccarelli bis zur Grundlinie durchgetankt hatte. Beim zweiten Tor verarbeitete Bulut einen langen Ball sauber per Brustannahme und schob ein. Beim dritten Treffer bediente Johannes Sabah mit einem Ball in die Tiefe Jona Niemiec, der sich für die lange Ecke entschied. Eine abgefälschte Bogenlampe nach einem Frustschuss von Erndtebrücks Fuad Dodic sollte das einzige Gegentor bleiben. Jona Niemiec setzte in der Nachspielzeit mit seinem zweiten Tor nach erneuter Ciccarelli-Vorlage den Schlusspunkt eines nie gefährdeten Auswärtssieges.

Victoria Clarholz - SpVgg Vreden 1:3 (1:1)
Tore: 1:0 Steinkamp (1.), 1:1 Ostenkötter (5., FE), 1:2 Mensing (77.), 1:3 Ostenkötter (84., FE)
Bes. Vorkommnis: Ottink (Vreden) hält Foulelfmeter von A. Dreichel (31.)
Zuschauer: 293

Aufsteiger Vreden geht weiter seinen Weg und ist inzwischen seit sechs Spielen ungeschlagen. 14 Punkte konnte die Truppe von Trainer Engin Yavuzaslan seitdem sammeln. Da sorgte gestern auch der Rückstand durch Robin Steinkamp nach 25 Sekunden für keine Verunsicherung. Nach Foul an Maximilian Hinkelmann gab es wenig später Elfmeter, den Torjäger Nico Ostenkötter sicher verwandelte. Die Partie bot viel Tempo, Torchanchen und den nächsten Elfmeter. Vredens Keeper Ricardo Ottink bewahrte sein Team aber vor dem erneuten Rückstand und parierte gegen Andrej Dreichel (31.). Die Partie blieb auf Messers Schneide und kippte in der Schlussphase zugunsten der Gäste. Yavuzaslan stellte taktisch um und brachte frische Kräfte. Zwei davon produzierten den Führungstreffer: Mit einem Traumpass bediente Timo Grabowsky den jungen Felix Mensing, der cool blieb und sein erstes Tor im Seniorenbereich erzielte. Ostenkötter - vielleicht der Mann der Stunde in der Oberliga Westfalen - kam noch zu seinem Saisontor Nr. 9. Als Gefoulter traf er selbst vom Punkt und tütete den Auswärtsdreier ein.

SC Paderborn 07 II - SC Preußen Münster II 3:2 (2:1)
Tore: 1:0 Mittelstädt (5.), 2:0 Wagner (33.), 2:1 Burchardt (45., FE), 2:2 Mause (57.), 3:2 Ortmann (86.)
Zuschauer: --- (offiziell keine Zuschauer zugelassen)

Im Duell der Reserven brachten Hendrik Mittelstädt und Wladimir Wagner die Gastgeber in Front. Den Preußen war jedoch keinesfalls der Zahn gezogen. Ousman Touray, der bisher aufgrund der dünnen Personaldecke der 1. Mannschaft nur in der Regionalliga zum Einsatz gekommen war (5 Einsätze, 1 Tor), lief zum ersten Mal in der Oberliga auf und verpasste den Anschlusstreffer, der erst Nils Burchardt mit dem Pausenpfiff gelang. Münster wurde stärker und stärker und glich durch Marius Mause nach einem Eckball aus. Den Lucky Punch setzten jedoch die Gastgeber durch Luis Ortmann vier Minuten vor dem Ende. „Ich weiß nicht, ob wir das Spiel gewinnen mussten, wir durften es aber auf keinen Fall verlieren", war das Fazit von Preußen-Coach Sören Weinfurtner. 

spielfrei: TuS Ennepetal
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